24. Sep­tem­ber 2014: 20. Auto­ren­le­sung: Jens Stei­ner – Caram­bo­le

Ein Roman in zwölf Runden

Da sind die drei Flyer Okt 2014Jugend­li­chen, die Pläne aus­he­cken für die bevor­ste­hen­den Schul­fe­ri­en und dabei genau wissen, dass auch dieses Jahr nichts gesche­hen wird, da ist die Troika, die sich regelmässig zum Caram­bo­le-Spiel trifft, und da ist Schor­sch, der immer dann auf­taucht, wenn man ihn nicht erwar­tet.

Für seinen zwei­ten Roman «Caram­bo­le» hat der 1975 gebo­re­ne Autor 2013 den Schwei­zer Lite­ra­tur­preis erhal­ten.

«Was pas­sier­te mit uns in diesen Tagen? Wir sind, was weiss ich, wir sind, ach Gott … ganz gewöhn­li­che Men­schen. Wir wollen nur ein biss­chen zufrie­den sein. Mehr nicht.» – Diese Sätze stehen in ‚Caram­bo­le’, einem Roman in zwölf Runden von Jens Stei­ner auf Seite 30. Von den ganz gewöhn­li­chen Men­schen in einem ganz gewöhn­li­chen Dorf han­delt das Buch. Doch wes­halb vermag ein Buch mit so viel Gewöhn­li­chem über 40 Leute in die Pes­ta­loz­zi-Biblio­thek zu locken? Da stellt sich die Frage, wie dieser hell­wa­che, sym­pa­thi­sche Autor Jens Stei­ner dazu kommt, sein Buch ‚nur’ über die Gewöhn­lich­keit zu schrei­ben.

Wir bekom­men Ant­wor­ten in den Bei­spie­len, die er vor­liest. Da sind die jugend­li­chen Kerle, die sich vor den leeren Som­mer­fe­ri­en fürch­ten und dem Phan­ta­sie­volls­ten der Gruppe gerne bei seinen Geschich­ten lau­schen. Da ist der Mann, mit eher unat­trak­ti­ver Gattin, der sich im Garten in den Boden gräbt und irgend­wann in seinem unend­li­chen Loch ver­schwin­det. – Alles kurze, plas­ti­sche Beschrei­bun­gen des Gewöhn­li­chen. Lang­wei­lig? Nein. Wenn man sich auf die sub­ti­len Bilder ein­lässt eröff­net sich einem ein uner­war­te­ter Reiz des Nor­ma­len. Und man schliesst gerne Bekannt­schaft mit den Roman­fi­gu­ren von Jens Stei­ner, um zu hoffen, dass man selber ein span­nen­de­res Leben lebt.

Dieser Roman han­delt vom Still­stand. Er han­delt, vom Unver­mö­gen, sich zu ent­wi­ckeln, zu befrei­en, vor­wärts zuge­hen. Dies ist so bril­lant geschrie­ben, dass der Autor dafür den begehr­ten Schwei­zer Buch­preis erhal­ten hat. In der anschlies­sen­den Fra­ge­run­de erzählt Jens Stei­ner, dass sein gegen­wär­ti­ger Roman sehr tem­po­reich ist. Nach so viel Dis­kus­si­on über Still­stand, nimmt man es mit Erleich­te­rung zur Kennt­nis.

Dies war (am 24.09.14) die 20. Auto­ren-Lesung der Kul­tu­rel­len Kom­mis­si­on in der Pes­ta­loz­zi-Biblio­thek. Die Prä­si­den­tin erwähnt und ver­dankt, dass alle diese Lesun­gen von Jean-Claude Schaff­hau­ser finan­zi­ell unter­stützt worden sind. Wir hoffen, dass der grosse Dank von Kul­tur48 Jean-Claude Schaff­hau­ser auf diesem Weg erreicht, denn betrüb­li­cher­wei­se, konnte er wegen einer uner­war­tet wich­ti­gen Sit­zung an der Jubi­lä­ums-Lesung nicht dabei sein. Wir freuen uns auf die nächs­te Lesung – hof­fent­li­ch wieder mit seiner Anwe­sen­heit.

Bar­ba­ra Böhi Kir­ca­li, Mit­glied Kul­tur48

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